fbpx
Energie behalten, trotz krassem Arbeitsalltag, Hannah Seeba

Arbeitsalltag extrem – wie ich ihn bewältige: als Kinderärztin in den Tropen

Wir werden Euch während der nächsten 5 Wochen immer mal wieder Menschen vorstellen, deren Arbeitsalltag sehr belastend ist. Du erfährst, wie sie es schaffen, dabei gut für sich zu sorgen. Wir hoffen es ist die ein oder andere Inspiration für Dich dabei!

Und nun, viel Freude mit unserer ersten Interviewpartnerin: Hannah Seeba


Hannah, was machst Du beruflich?

Ich bin Kinderärztin in einem Gesundheitsposten im peruanischen Amazonasgebiet.

Wie sieht der typische Arbeitsalltag bei Dir aus?

Morgens um 8.00 gehe ich von dem Stelzenhaus in dem ich wohne ein paar Schritte über die Wiese ins Büro der kleinen Klinik. Montags haben wir Teambesprechung, an anderen Tagen gehe ich je nachdem was ansteht entweder ins Sprechstundenzimmer und schaue mir alle Patienten an, die mit ihren Booten zu uns kommen oder ich setze mich an den Schreibtisch, beantrage Gelder, schreibe Dienstpläne und ordne Daten.

Arbeitsalltag mal anders - als Kinderärztin in den Tropen

Was ist an Deinem Job anstrengend oder belastend?

Sehr ähnlich wie in Deutschland. Allerdings sind die Krankheitsbilder und deren Ausprägungen oft extremer (die Menschen hier versuchen immer zuerst alles mit Heilkräutern, Gesängen und traditionellen Methoden zu heilen und kommen erst in die Klinik, wenn nichts anderes mehr hilft). Oft wollen sie nicht hier bleiben, haben keine Nahrungsmittel dabei (wir sind nicht dafür ausgelegt, Nahrung für alle anzubieten) und ganz schwierig wird es, wenn wir sie in die Stadt verlegen müssen, denn der Glaube bedingt, dass wenn jemand stirbt, die Seele an seinen Heimatort, wo die Placenta begraben ist, zurück kehrt und das ist von der Stadt aus viel zu weit oder zu schwierig. Das Arbeiten im Team ist oft schwierig, da die peruanischen Angestellten andere Ziele verfolgen, als die deutsche Hilfsorganisation. Einige der Mitarbeiter wollen vor allem möglichst hohe Zahlen erreichen und nicht so sehr den einzelnen Patienten behandeln. Das geht auf Kosten der Flussbewohner.

Was machst Du, um bei diesem Arbeitsalltag gut drauf und bei Kräften zu bleiben?

Ich habe das Glück eine weitere deutsche Kollegin/Mitarbeiterin hier zu haben, mit der ich mich viel austauschen kann. Wir ticken oft ähnlich und so ist man mit Problemen nicht alleine. Außerdem wohnt noch ein Ingenieur mit uns im Haus, der einen super Humor hat und zur Aufmunterung beiträgt. Wir kochen viel, meine Kollegin hat eine Slackline mitgebracht, manchmal kommen die Kinder der Bootsführer uns besuchen. Ich spiele gern Gitarre und singe dazu, wir gucken abends Filme oder Serien und ich versuche ab und zu ein bisschen Yoga/Workout zu machen. Viel Auslauf hat man hier nicht, da man sich wirklich nur mit dem Boot fortbewegen kann.

Wie tankst Du Energie auf und wie oft?

Wir haben eine lange Mittagspause von 12 bis 15.00 Uhr, das ist angenehm. Da kochen wir meist, nach dem Mittag gibt es Kaffee und Kekse und wir hängen uns in die Hängematte. Manchmal schlafe ich ein bisschen, wir planen die nächsten Tage oder plaudern einfach so. Abends gehen wir früh ins Bett. Alle 3 Monate fahren wir mit dem Boot in die Stadt und gönnen uns ordentliches Essen und guten Kaffee. Meist verbraten wir dabei unsere Monatsgehälter.

Wie schaffst Du es in schwierigeren Zeiten, nicht den Mut zu verlieren?

Tja, das gelingt mir nicht immer. Aber ich tausche mich viel aus: Meine Kollegin vor Ort hilft, meine deutschen Kontakte halten zum Ausheulen per Whatsapp her. Manchmal höre ich traurige oder romantische Musik, oder auch fetzige, um wieder in Stimmung zu kommen. Die Gitarre hilft auch. Und ich schreibe einen Blog, auf dem ich mir Probleme von der Seele schreiben kann.

Was an Deinem Arbeitsalltag erfüllt Dich mit Freude?

Die Kinder! Und auch die erwachsenen Flussbewohner. Sie haben einen schönen Humor, lachen viel und gerne und man kann nicht anders als mitzulachen. Es mag kitschig klingen, aber es ist sehr erfüllend, den Menschen helfen zu können und zu wissen, dass sie sonst (ohne mich/uns) diese Hilfe nicht hätten bekommen können.

Was war ein besonders schönes Erlebnis dort?

Das kleine Mädchen (4 Monate), das mir auf der Evakuation in die Stadt auf der langen Reise fast gestorben wäre, beim nächsten Besuch lachen zu sehen. Und die dankbare Mama, die mir ein Stück Zuckerrohr geschenkt hat und mich jedes Mal ganz freudig begrüßt, wenn wir in ihr Dorf kommen.

Liebe Hannah, vielen Dank für den Einblick in Deinen herausfordernden Alltag!


Und nun zu Dir, was sind bislang Deine Strategien, um mit Stress oder Frust in Deinem Arbeitsalltag zurecht zu kommen, und wie holst Du Dir Energie zurück?
Wurde in diesem Interview etwas erwähnt, das Du auch mal ausprobieren möchtest? Vielleicht eine Inspiration für die neue wohltuende Gewohnheit?

Teile Deine Gedanken mit uns in den Kommentaren.
Wir sind gespannt, von Dir zu hören!

Dein Kaleni-Team,
Lena, Nina und Katharina

Energie holen bei Frust im Job

Beitrag #2 in dieser Serie

0 Kommentare zu “Arbeitsalltag extrem – wie ich ihn bewältige: als Kinderärztin in den Tropen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen