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Auch der Herzensweg kann steinig sein – und warum das ok ist

Von Lena Seeba

Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Nietzsche

Nach meinem Studium zur Diplom-Pädagogin und ein paar Jahren in Elternzeit und als Tagesmutter, entschloss ich mich vor 10 Jahren dazu, meinem Herzenswunsch zu folgen, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche  zu werden.

Ich meldete mich für die 8-jährige Ausbildung an. 

Das bedeutete für mich finanzielle Einbußen, und ich musste neben der Kinderbetreuung auch noch Abend- und Wochenendseminare in Kauf nehmen. 

Aber zum Glück gab es ja meinen Partner. Mit ihm gemeinsam würde ich es schon irgendwie wuppen. 


Doch nach einem Jahr kam der Supergau: Die Beziehung ging in die Brüche, und ich stand auf einmal alleine da mit meinen beiden kleinen Jungs – damals noch im Kindergartenalter. 

Aufgeben war für mich keine Option, denn ich wusste, dass ich genau auf dem Weg war der mich rief und der mich mit Sinn erfüllte.  

Also stellte ich mich der neuen Situation und zog es weiter durch. 

In meinem 3. Ausbildungsjahr kam dann die größte Herausforderung auf mich zu: Mein Klinikjahr in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. 

Das bedeutete für mich: Morgens mit dem Fahrrad die Jungs zum Kindergarten und zur Schule bringen, dann weiter in die Klinik und von dort um 15 Uhr wieder schnell zu den Kindern… 

Das war schon ein ganz schönes Gehetze. 

Hinzu kam ein völlig neues Arbeitsumfeld und ganz viel Verantwortung vom ersten Tag an.

Ich bekam sofort eine Patientin zugewiesen, mit einer psychischen Störung, von der ich noch nie gehört hatte, die ich nun therapieren sollte. 

Ich hatte die psychotherapeutische Behandlung bisher nur in der Theorie kennengelernt. 

Wie das in die Praxis umzusetzen sein sollte, war mir noch völlig schleierhaft. 

Aber ich wollte die Ausbildung schaffen und akzeptierte, dass ich ins kalte Wasser geschmissen wurde. 

Also bereitete ich mich abends, wenn die Kinder im Bett waren, auf Einzelherapie, Eltern- und Familiengespräche sowie Gruppentherapien vor und tat einfach, was von mir verlangt wurde. 

Die krasseste Erfahrung war dann meine erste Fallbesprechung: Hier versammelten sich Kind, Eltern, Jugendamt, Oberarzt und alle weiteren Beteiligten am runden Tisch und erwarteten von mir, das Gespräch zu leiten. 

Es galt, die Ziele und Inhalte des weitere Aufenthalts des betreffenden Jugendlichen zu planen. 

Ich war sowas von aufgeregt, konnte Nächte vorher nicht schlafen und hätte am liebsten alles hin geschmissen. 

Doch auch diese Herausforderung meisterte ich, indem ich es dann einfach machte. 

Ich glaube ich habe noch kein Jahr erlebt, in dem ich so viel gelernt habe und so sehr an meinen Aufgaben gewachsen bin.
Noch heute sage ich mir in schwierigen Situationen

Hey, Du hast das Klinikjahr geschafft, dann schaffst Du das jetzt auch!

Ich war in diesem Jahr häufig am Ende meiner Kräfte und hatte das Gefühl, nur noch funktionieren zu müssen.

Dabei bin ich selbst absolut zu kurz gekommen.

Doch ich habe nie ernsthaft in Erwägung gezogen, diesen Weg nicht bis zum Ende zu gehen. 

Tief in meinem Inneren spürte ich den Sinn in dieser Tätigkeit. Das Gefühl anderen helfen zu können und etwas Sinnvolles zu tun, gab mir die Kraft und Energie es durch zu ziehen. 

Die Vorstellung, die Welt durch meine Arbeit ein kleines Stückchen besser zu machen, bestärkte mich darin, mich meinen Ängsten zu stellen und die Herausforderungen auf diesem Weg zu bewältigen. 

Wenn man mich heute fragen würde, ob ich es wieder so machen würde, würde ich sofort „Ja“ sagen. 

Allerdings würde ich mehr Unterstützung in meinem Umfeld suchen. 

Heute weiß ich, dass es völlig OK ist, Schwäche zu zeigen und um Hilfe zu bitten.

Es ist so wichtig, auf die innere Stimme zu hören und mutig seinem Herzensprojekt zu folgen. 

Auch wenn der Weg manchmal steinig und mühselig ist – das Wissen, wofür man es tut, lässt einen durchhalten und bringt wahre Erfüllung

Es lässt uns zu der Person werden, die wir sein wollen. 

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